Frage zur Profi-Laufbahn

FRAGE von Niels-Peter F.:
Moin Michael,
ich habe dich beim Hamburg City Man angesprochen, da haste gerade dein Rennrad geschoben und warst mit deiner Freundin unterwegs ins Hotel. Ich war selbst etwas überrascht dich zu treffen und habe deswegen nicht alles gefragt, was ich fragen wollte und so schreibe ich dir eine E-Mail. Ich bin 22 Jahre alt und studiere Betriebswirtschaftslehre. Mit 19 Jahren bin ich meinen ersten Marathon gelaufen und mit 20 das erste mal in Roth gestartet. Seit ich fünf Jahre alt bin treibe ich regelmäßig viel Sport, allerdings erst mit 18 Jahren wirklich Ausdauer orientiert. Vorher schwimmen, fast 10 Jahre Feldhockey, Sportklettern, Capoeira, Skateboarden (auch anstrengend :) Wellenreiten und und und. Sport war für mich immer ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens und oft habe ich mich gefragt, was wohl passiert wäre, wenn ich in Kalifornien oder auf Hawaii aufgewachsen wäre und früher mit dem Wellenreiten begonnen hätte. Na ja, worauf ich hinaus möchte ist, dass ich im Ironman Triathlon meine wohl letzte Chance sehe mit dem Sport meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Du bist jetzt einer der wenigen Eingeweihten, den ich von meinen Profi-Pläne erzähle, denn Profi zu werden ist natürlich ein sehr hohes Ziel, aber wenn ich dieses Ziel nicht in Worte fasse, kann es nie was werden. Mein “Langzeitplan” wäre der folgende: Weiter studieren und mit Diplom abschließen. Bewusst den einen oder anderen Schein weniger machen und die gewonnene Zeit zum Training nutzen. Während des Studiums immer besser werden und nach dem Abschluss ein Jahr alles auf eine Karte setzen und den “Durchbruch” schaffen. Wie viele Stunden hast du denn pro Woche trainiert, als du noch bei der Bank gearbeitet hast? Nun noch kurz zu meiner bisherigen “Ausdauersport Karriere”. Seit 2005 starte ich beim Hamburg Marathon (April) (Bestzeit 3:42) und beim Siebengebirgsmarathon (Dezember) (Bestzeit 3:56). Seit 2006 in Roth (13:42 in 2006, 13:14 in 2007). Du merkst schon, das sind alles keine Top Ergebnisse und gerade von Roth dieses Jahr bin ich enttäuscht. Auf der anderen Seite werde ich die kommende Saison aber wesentlich konzentrierter angehen. Ich habe keinen Trainer und versuche mir so gut wie möglich Kenntnisse anzueignen. Wie hast du es denn gemacht, also du noch kein Profi warst?
Von meinem Körperbau her war ich schon immer “drahtig” und hatte nie Übergewicht (Bin 1,83 groß und wiege 75 kg (das ganze Jahr über)) . Ob ich allerdings das Talent mitbringe, was man in der Ironman Elite braucht weiß ich nicht. Das weißt du sicher auch nicht, aber vielleicht kannst du mir sagen, worin das Talent besteht, denn du hast es ja offensichtlich. Habe noch viele Fragen, aber die schicke ich dir mal, wenn es dir recht ist. Du hast bestimmt auch ne Menge um die Ohren momentan, schließlich willste ja auf Hawaii ja den McCormack langmachen, oder? ;-)
Zum Schluss möchte ich dir noch mal sagen, dass mir deine Homepage schon viel geholfen hat mein Training besser zu gestalten. Ich finde es sehr schön, dass du dir offensichtlich so viel Zeit für Tipps und E-Mails nimmst. Da ist ja bei weitem nicht selbstverständlich und (leider) aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass nicht jeder Profi so freundlich ist.
Nicht zu letzt bist du auch Vorbild für mich, denn in der Weltspitze etabliert und trotzdem bodenständig, das sieht man nicht all zu oft. Also dann Michael, ich hoffe ich überfalle dich nicht mit dieser langen Mail und du findest die Zeit auf meine Fragen zu antworten.
Grüße aus Hamburg, Nils.
P.S.: Beim Hamburg Marathon bin ich dieses Jahr in Boardshorts und mit Surfbrett gelaufen, um auf die “Surfrider foundation” aufmerksam zu machen (eine Organisation zum Umweltschutz, speziell der Weltmeere).

ANTWORT von Michael Göhner:
Hallo Nils,
kann mich natürlich an unseren Smalltalk erinnern und die Fragen beantworte ich Dir auch gerne.
Zuerst möchte ich Dir raten, dass Du das Studium ohne Rücksicht auf den Sport zu nehmen beendest.
Wie Du selbst geschrieben hast, sind die Zeiten (sowohl im Marathon als auch auf der Langdistanz) noch nicht berauschend und um den Triathlon professionell zu betreiben, musst Du ca. 5 Stunden schneller werden. Daran siehst Du schon, dass es wirklich sehr, sehr viel ist. Als Banker habe ich je nach Zeitbudget zwischen 8 und 15 Stunden trainiert. In der Urlaubszeit waren es dann schon mal bis zu 35 Stunden. Seitdem ich Profi bin habe ich auch einen Trainer (Klaus Ludwig), vorher habe ich so trainiert, wie ich eben Zeit hatte. Klar, an den Wochenenden waren die langen Rad – beziehungsweise intensiven Trainingseinheiten geplant. Somit konnte ich es Montags und Dienstags ruhig angehen lassen.
Ich würde Dir raten, Deine sportlichen Ziele step by step zu erhöhen und einfach versuchen, Deine Zeit von Roth zu verbessern. Da steckt noch sehr viel Potenzial drin, wenn Du dann mal bei < 9h in Roth (oder beim Ironman Germany) angekommen bist, dann kannst Du dir überlegen, ob Du mal ein Jahr die sportlichen Ziele etwas näher verfolgen möchtest.
Gerne kannst Du deine weiteren Fragen an mich richten.
In diesem Sinne
Micha
PS: Mein Höhepunkt war der IM Germany….. auf Hawaii würde mir schon ein Platz in den Top 15-20 reichen :-) .

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